19.11.2025

🎓 Azubis übernehmen den „Hirsch“ – ein einzigartiges Gastro-Projekt der Farny-Brauerei 🍽️🐮

Im Landgasthaus „Hirsch“ in Christazhofen startete am 1. November ein besonderes Pilotprojekt: Die Auszubildenden der Farny-Brauerei führen das Gasthaus eigenverantwortlich – unterstützt von erfahrenen Ausbildern. Nach mehreren Pächterwechseln soll so neues Leben in den Dorfmittelpunkt kommen. Die jungen Talente planen Einrichtung, Karte und Deko selbst und übernehmen volle Verantwortung im Betrieb. Ziel ist es, praxisnahes Lernen und Eigeninitiative zu fördern. Das Team besteht aus sieben motivierten Azubis verschiedener Fachrichtungen. Begleitet werden sie von Koch und Ausbilder Tobias Grimm. Eröffnet wurde am 31. Oktober mit einer Feier, ab 1. November gelten feste Öffnungszeiten. Ein mutiger Schritt für die Nachwuchsförderung in der Gastronomie!
Unten stehend finden Sie den ganzen Pressebericht vom 24. Oktober 2025 in der Schwäbischen Zeitung.

Als die Kißlegger Farny-Brauerei für ihr Landgasthaus zum Hirsch in Christazhofen keine neuen Pächter fand, machte sie aus der Not eine Tugend. Und startete ein besonderes Projekt. Den Gastraum reinigen und Bilder aufhängen, Tisch-Deko aufstellen und Gläser einräumen, Küche einrichten und das Lager auffüllen, schließlich letzte Löcher in den Wänden stopfen: Im „Hirsch“ herrscht dieser Tage Hochbetrieb. Kein Wunder, denn am 1. November startet in dem Landgasthaus im Argenbühler Teilort Christazhofen ein Gastro-Projekt, bei dem die Auszubildenden der Farny-Brauerei den Betrieb am Laufen halten. Und das in weitem Umkreis einzigartig sein dürfte. Das Erstaunliche: Wenige Tage vor der Premiere ist bei den künftigen Hauptdarstellern von Nervosität keine Spur.

Jahrzehnte lang hatte die Inhaberfamilie Kahle den heutigen „Hirsch“ geführt – damals noch unter dem Namen „Silberdistel“. 2019 erwarb dann die Farny-Stiftung das Argenbühler Traditionsgasthaus – nachdem man sich mit der Gemeinde geeinigt hatte, das Landgasthaus als lebendigen Dorfmittelpunkt erhalten zu wollen. Farny investierte daraufhin ins Gebäude, die Kommune in den Außenbereich.

Mit dem Wangener Christian Martello fand die Brauerei im Spätsommer 2020 auch einen neuen Pächter. Der gab jedoch pandemiebedingt Ende 2021 wieder auf. Nach rund einem Jahr Leerstand übernahm dann Ende 2022 das aus Rumänien stammende Wirtepaar Michaela und Marius Lacatus das Gasthaus mit Saal und Terrasse. Doch auch hier war im August 2024 Schluss. Seitdem steht der „Hirsch“ erneut leer. „Es ist derzeit nicht einfach, jemanden zu finden“, sagt Elmar Bentele.

Der Farny-Geschäftsführer sitzt im Gastraum an einem Ecktisch. Um ihn herum wuselt es nur von umtriebigen Menschen, aus den Lautsprechern dringt beschwingte Popmusik, und auch Bentele ist sichtlich gut gelaunt: „Die Musik lässt schon erkennen: Die Jungen haben hier bald das Sagen.“ Gemeint ist das neue Azubi-Projekt mit dem Namen „Hirsch – Die Dorfwirtschaft in Christazhofen“. Dabei sollen die Gastro-Auszubildenden aus dem Farny-Hofgut das Gasthaus in dem Argenbühler Teilort eigenverantwortlich führen, freilich unterstützt von erfahrenen Ausbildern.

Die Idee für dieses Pilotprojekt hatte vergangenen Frühsommer Alexander Steuer. Der Direktor des Hotels im Farny-Hofgut, das die Brauerei 2017 übernommen hatte, freut sich derzeit über insgesamt sieben Auszubildende – so viele wie noch nie. Das Hofgut habe sich eben mittlerweile einen gewissen Namen erarbeitet, meint dazu Elmar Bentele. Er spricht vom höheren Stellenwert einer Berufsausbildung, der in den vergangenen Jahren auch in der Gastronomie spürbar sei: „Die großen Arbeitgeber sind nicht mehr wie in früheren Zeiten die sichere Bank, und davon profitieren Handwerk und Dienstleistungen.“

Allein vier neue Azubis hat das Hofgut heuer eingestellt: einen Koch, zwei Hotelfachleute und eine angehende Restaurant- und Veranstaltungsfachfrau. Zusammen mit den Auszubildenden im zweiten und dritten Lehrjahr bilden sie das Team, das künftig den „Hirsch“ am Laufen halten soll. Sie wurden von Hoteldirektor Steuer frühzeitig ins Projekt eingebunden, durften bei wöchentlichen Meetings ihre Ideen in puncto Mobiliar, Karte oder Dekoration einbringen.

Ein Ergebnis dieser Treffen dürfte den künftigen Gästen gleich im Eingangsbereich auffallen: Dort steht ein Tischkicker, und von der Wand grüßt ein riesiger, ausgestopfter Hirschkopf. „Den haben wir im Hofgut auf dem Dachboden gefunden, und der ist jetzt unser Maskottchen“, sagt Paul Bernhart.

Der 17-jährige, angehende Hotelfachmann aus Waltershofen absolvierte zuvor ein Langzeitpraktikum im Hofgut und hat nun richtig Lust auf die neue Herausforderung im „Hirsch“: „Wir haben hier mehr Verantwortung und mehr Praxis, sind viel eigenständiger, müssen uns mehr Gedanken machen, mehr entscheiden – ich bin völlig begeistert.“ Neben ihm sitzt seine Azubi-Kollegin Valeska Rude und nickt. „Das Projekt ist total cool“, so die 19-jährige Kißleggerin. Und: „Ich finde es super interessant, in beiden Bereichen zu lernen.“

Denn die Farny-Azubis werden mit dem Pilotprojekt quasi zwei Welten kennenlernen: die gehobene Gastronomie im Hofgut und die Dorfwirtschaft im „Hirsch“. Oder, wie es Elmar Bentele ausdrückt: „Hier haben sie die Chance, das Gastronomie-Handwerk von der Pike auf zu lernen.“ An ihrer Seite sein wird Tobias Grimm, gelernter Koch und Ausbilder und seit über fünf Jahren im Hofgut. Der 36-Jährige soll als „Führungskraft vor Ort“ den Nachwuchs bei der Arbeit unterstützen.

Dessen erste Bewährungsprobe wird die Feier für geladene Gäste am 31. Oktober sein. Auch diesen Termin mit Vertretern von Farny, der Gemeinde und von Vereinen haben die Azubis eigenständig vorbereitet. Einen Tag später, an Allerheiligen, ist dann um 17 Uhr die offizielle Eröffnung. Die Öffnungszeiten werden donnerstags bis samstags von 17 bis 22 Uhr und sonntags von 10.30 bis 14 Uhr sein. „Diese Zeiten müssen wir wegen der gesetzlichen Vorgaben bei der Ausbildung auch einhalten“, sagt Elmar Bentele.

Um weiteres Verständnis bei den Gästen bittet der Farny-Geschäftsführer, was das künftige Personal angeht. Man arbeite auch beim „Hirsch“ mit regionalen Partnern zusammen, habe aber hier mit einem „extrem guten Preis/Leistungs-Verhältnis kalkuliert“: „Und bei der Leistung muss man dann vielleicht auch manchmal etwas nachsichtig sein“, so der Farny-Geschäftsführer. Und meint damit zum Beispiel mögliche längere Wartezeiten. Mit dem Azubi-Team, das wegen des Wechsels zwischen Hofgut und „Hirsch“ nie zu hundert Prozent eingespielt sei, müsse man zudem Geduld haben, ergänzt Alexander Steuer: „Da darf auch mal was schiefgehen.“

Das dürften vor allem die Einheimischen akzeptieren, bekommt Christazhofen doch wieder ein Gasthaus im Ort. Man wolle mit dem Projekt zwar in erster Linie eine besondere, praxisnahe Form der Ausbildung ermöglichen, sagt Bentele. Ziel sei es aber auch, „die gute Zeit mit einer lebendigen Dorfwirtschaft wieder aufleben zu lassen“. Zunächst einmal ohne Veranstaltungen, wegen der zu hohen Anforderungen. Dafür mit einer gut-bürgerlichen Karte und jungen, motivierten Mitarbeitern. „Wir finden es toll“, sagt Valeska Rude, „dass wir die Möglichkeit bekommen, uns hier zu beweisen.“